Hausärztetag Brandenburg: „Der Beruf des Hausarztes wird angegriffen“

Potsdam. Vor Gefahren für den Beruf des Hausarztes warnte die Vorsitzende des Hausärzteverbandes Brandenburg Dr. Karin Harre zur Eröffnung des Hausärztetages Brandenburg am 20. September.

„Wir erleben momentan, wie aus verschiedenen Richtungen versucht wird, unser Berufsbild als Hauptansprechpartner für die Menschen anzugreifen“, so Harre. Exemplarisch nannte die Walslebenerin drei Entwicklungen, die die Hausärzte aktuell umtreiben.

Zum einen gäbe es aus Kreisen der Fachärzte das Bestreben, den Allgemeinmedizinern ihre Stellung als Grundversorger streitig zu machen. „Dabei sind wir es, die ohne langen Terminvorlauf für die Patienten da sind und auch Symptome in der gesamten medizinischen Breite einzuordnen wissen“, so Harre. Die Trennung von Hausärzten und Fachärzten habe sich bewährt und müsse nicht grundlos aufgekündigt werden, auch die Trennung der Honorartöpfe habe zu einer guten Zusammenarbeit ohne Konkurrenzdenken geführt. Das dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Zum anderen kritisierte Harre neue Entwicklungen in der Berufsausbildung. „Ein Arzt lernt in Studium und Weiterbildung elf Jahre, bis er die notwendige Kombination aus Wissen und Erfahrung mitbringt“. Ein neuer Berufsstand mit der Bezeichnung Physician Assistant solle bereits nach drei Jahren Ausbildung Aufgaben übernehmen, die bisher Ärzten vorbehalten waren. „Wir freuen uns, wenn wir Aufgaben delegieren können“, so Harre. Es dürfe aber nicht zu einer Ersetzung unserer Qualität durch eine ärztliche Schnellvariante kommen, warnte die Walslebenerin.

Als drittes nannte Harre ein Problem, von dem Öffentlichkeit und Patienten nichts mitbekämen. „Wir haben für das bereits fast abgelaufene Jahr noch immer keinen Honorarvertrag mit den Krankenkassen, die die Beiträge der Patienten an uns weitergeben müssen .Obwohl die Kassen im Moment auf viel Geld sitzen, haben sie uns keine Gehaltserhöhung sondern sogar eine Kürzung angeboten.“ Die Vorsitzende des brandenburgischen Hausärzteverbandes bemängelte die fehlende Wertschätzung der Krankenkassen gegenüber den niedergelassenen Ärzten. „Wir haben ein Schreiben auf den Weg gebracht, in dem wir die Kassen mit unserer Enttäuschung konfrontieren“.

Neben dem berufspolitischen Austausch bot der Hausärztetag Brandenburg in einem Fortbildungsteil ein „Update Neurologie“ durch Prof. Dr. Andreas Bitsch vom Hochschulklinikum der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Außerdem referierte Holger Rostek, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, über die Herausforderungen der Digitalisierung für die Hausarztpraxen.